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Ca. 930 Tage bis zum 7. Landesblasmusikfest 2014
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Humanismus in der Musik erkennen

Jörg Küttner ist neuer Landesmusikdirektor im SBMV e.V.

Der Verbandstag des SBMV e.V. wählte im April Jörg Küttner zum neuen LMD.
Norman Grüneberg sprach mit dem Zwickauer Musikpädagogen und Dirigenten.
Herzlichen Glückwunsch zum neuen Ehrenamt!







Wie kommt man dazu, ehrenamtlich als LMD zu arbeiten? Welche Aufgaben verbinden sich damit?


JK: Diese Frage zu beantworten, fällt mir sehr leicht.
1995 habe ich meine erste ehrenamtliche Funktion im SBMV aufgenommen, als Verantwortlicher für das Sächsische Landesprobenlager und Kontakt zum Jugendblasorchester Zwickau als der Partner vor Ort. Damals hieß es, ständiger Gast des Präsidiums. Wenn man als kompetenter Partner gefragt ist und die Arbeit Freude bereitet, investiert man gern mehr, wird zum stellvertretenden Landesmusikdirektor und so weiter. In unserer heutigen, schnelllebigen, oft zu pluralistischen Zeit, gilt es, mit unseren Kräften sparsam und effektiv umzugehen. Deshalb sind offene Kommunikation, überstrukturelles Zusammenwirken und das Aufspüren verdeckter Synergieeffekte die Chance trotz Verknappung der finanziellen Fonds keine Qualitätseinbußen hinnehmen zu müssen. Diesen Aufgaben stelle ich mich gern, treffen sich doch in meinem Berufs- und Erfahrungsfeld einige Arbeitsfelder sehr positiv. Ein Beispiel: In den letzten Jahren sprießen die Bläserklassen in unseren Grund-,  Mittel- und gymnasialen Schulen förmlich wie Pilze aus dem Boden. Für viele Kinder, Eltern und Schulleiter ein Segen, aber von Vereinen und Musikschulen oft, und besonders in den Zeiten geburtenschwacher Jahrgänge, als unliebsame Konkurrenz  betrachtet, krankt die Zusammenarbeit vielerorts gewaltig. Viel Energie wird aufgewendet, um sich Alleinstellungsmerkmale zu verschaffen, Konzepte zu bewerten und endlos zu argumentieren, statt besser zu lehren und gemeinsam zu musizieren. Als  erfahrener Lehrer an einem Gymnasium, erfolgreicher Leiter von Bläserklassen seit 1999, Dirigent eines Amateurorchesters der Höchststufe und langjähriger Funktionär des Verbandes möchte ich die Möglichkeiten, die sich in diesen Ressorts bieten,  aufzeigen und bei der Vermittlung vielfältiger Kontakte helfen. Es sollte gemeinsam gelingen, die Lehrer an den Schulen für die lohnenswerte Aufgabe der Leitung eines Ensembles fachlich fit zu machen und die Vereine für die Unterrichts- und Schularbeit  zu sensibilisieren. Jeder kann in der musikalischen Laientätigkeit in unserem Land seinen Platz finden. Die Basis liegt in den Schulen und Vereinen, doch vergessen darf man keineswegs die Zeugnisse musikalischer Spitzenleistungen unserer  Auswahlensembles. Deshalb stehen die Förderung unserer Landesensembles des SBMV, an der Spitze das Landesjugendblasorchester Sachsen, als wichtige Aufgabe in der Verantwortung eines Landesmusikdirektors. Das Zusammenwirken von Verband,  Musikhochschulen und Ausbildungsstätten, wie die Bläserakademie Sachsen, im Sinne einer kontinuierlichen Spitzennachwuchsförderung sichert die Ausbildung von humanistischen Wertemaßstäben, Schönheitssinn und Musikalität bis in die  kleinste Kapelle unseres großen Verbandes. Ein kleines Rad im Getriebe dieses Motors zu sein, ist die Aufgabe des Landesmusikdirektors Sachsen.

Worin sehen Sie den Schwerpunkt Ihrer Arbeit und wie erreichen Sie die gesteckten Ziele?

JK: Der Sächsische Blasmusikverband e.V. feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum (Herzlichen Glückwunsch!). Das sind 20 Jahre Ausbildungskurse, Weiterbildungs-lehrgänge, Instrumentalwerkstätten und Probenlager.

Eine meiner vornehmlichsten Aufgaben sehe ich dahin, den Strom des qualifizierten Nachwuchses an Musikern, Ausbildern, Dirigenten und Vereinsfunktionären und Politikern in unserem Land nicht abreis(s)en zu lassen. Im Gegenteil, die Schüler und  Studenten, die ihre ersten musikalischen Sporen in den Vereinen des Blasmusikverbandes verdient haben, sind heute die Leistungsträger in vielen renommierten Orchestern oder Lehrer an Musikschulen. Es ist an der Zeit, ein noch engeres  kommunikatives Netzwerk zu verknüpfen, um Sachsens Bläservereinigungen als musikalische Heimat wieder zu entdecken.

Das Landesblasmusikfest 2010 wird das große Event im Jubiläumsjahr des SBMV e.V. Wie laufen die musikalischen Vorbereitungen  dazu, welche Veranstaltungen wird es geben?

JK: Die Vorbereitungen laufen im wahrsten Sinne des Wortes auf Hochtouren. Für uns ehrenamtliche Organisatoren ist diese Stadt Frankenberg, ihre Stadtmarketing GmbH, der städtische Musikverein, die Bildungseinrichtungen und die Bundeswehr eine  unsagbare Hilfe. Mit (bis jetzt) 53 fest angemeldeten nationalen und internationalen Vereinen sieht es schon sehr gut aus. Wir erwarten an diesen drei Tagen zehntausende Besucher, die alle Facetten unserer Orchester kennen lernen werden,  denn „von keinem Klangkörper wird ein so abwechslungsreiches Repertoire erwartet, wie von einem Blasorchester!“ Besondere Glanzlichter an diesem Wochenende werden das festliche Konzert des Rundfunk- Blasorchesters Leipzig in der Stadthalle  sein, das Klassik Open Air des Landesjugendblasorchesters sowie das Monsterkonzert von über 500 Kindern in 15 Orchestern zum Kinderorchestertreff 2010 und die Musikantenparty am Samstagabend an der Bühne am Kirchplatz. Nicht zu vergessen: Ausstellungen, musikalische Wettbewerbe, Diskussionsrunden, Instrumentenbau, Verlagspräsentationen und Musik, Musik, Musik – eine klingende Stadt eben!

Wie wird die Entwicklung der Bläsermusik in Sachsen weiter gehen? Wo sind Impulse zu setzen und welche Herausforderungen gibt es?

JK: Die Orchester- und Kulturlandschaft Sachsen benötigt unbedingt die weitere Unterstützung des Freistaates. Dies sollte vornehmlich, entgegen der jetzigen Förderstrategien, fachlich kompetent und nicht pauschal regional erfolgen. Im Sächsischen  Blasmusikverband e.V. finden alle Mitglieder unserer gemeinnützigen Vereine Hilfe, Unterstützung und Beratung und das soll auch so bleiben. Kontakte untereinander werden gepflegt und intensiviert. Der Austausch unter Dirigenten und Musikern   außerhalb und innerhalb unserer Verbandsprojekte wird stärker werden. Die Kontakte zu angeschlossenen Partnerverbänden und Ländern wird im musikalischen Bereich intensiviert. Ich bin mir sicher, dass die Herausforderungen, die das Leben  schreibt, von uns gemeinsam richtig beantwortet werden!

Kurze Frage, kurze Antwort: Warum Bläsermusik?

JK:
In einem Satz? Weil man in der Bläsermusik, durch seinen ganzkörperlichen Einsatz, besonders aber durch seinen Atem und seine Energie, aus einem leblosen Stück Metall oder Holz Töne hervorbringen kann, die unseren Zuhörern die Seele bewegt. Vielen Dank für das Gespräch!

Hintergrund:

Jörg Küttner steht seit 35 Jahren auf der Bühne der Blasmusik. Nach den ersten musikalischen Gehversuchen in der Grundausbildung fing er Feuer an Bläsermusik, wie viele andere seiner Generation. Nach dem Erreichen der Hochschulreife studierte er von 1984 bis 1989 Musikpädagogik und Germanistik in Zwickau. Dort bot man ihm 1986 einen zusätzlichen Sonderstudienvertrag „Leitung von Blasorchestern“, u.a. mit Komposition bei Jürgen Golle, Dirigieren bei Prof. Eisenbeiß, Ensembleleitung bei Stefan Fraas sowie Unterrichtstunden im Eckersbacher Jugendblasorchester – später Jugendblasorchester Zwickau – bei Günter Haubold und Armin Günter. 1988 lernte er als Gastder Zentralen Arbeitsgemeinschaft Blasmusik Wieland Ziegenrücker, Siegmund Goldhammer und Reinhard Günther kennen. Dirigierstudien u.a. bei Jochen Wehner begleiten seine Ausbildung. Zwickau blieb er die ganze Zeit treu, als Leiter des Nachwuchsbereiches bis hin zur Berufung als Chefdirigent und künstlerischer Leiter im Jahre 1995. Seit 1995 ist er als verantwortliches Mitglied des Präsidiums des SBMV und Leiter des Projektes Landesprobenlager ehrenamtlich tätig und im SBMV e.V. ab 1998 Lehrgangsleiter der D-Ausbildung in Sachsen. 2001 gründete er einen  eigenen Musikverlag, der auch eigene Kompositionen für Blasorchester, Kammermusik besonders für Kinder und Jugendorchester, herausgibt. Ab 2002 amtierte er als stellvertretender Landesmusikdirektor des SBMV. Darüber hinaus hat er als Dirigent des JBO Zwickau das Orchester zielstrebig weiter entwickelt und zuletzt 2009 zum Prädikat„ausgezeichnet“ in der Höchststufe geführt.